
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Millionen Menschen sind betroffen, viele ohne es zu wissen. Unentdecktes Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko etwa um das Fünffache. Wird es früh erkannt, lässt sich dieses Risiko durch eine leitliniengerechte Behandlung deutlich senken.
Was passiert bei Vorhofflimmern?
Beim Vorhofflimmern sind die elektrischen Impulse im Herzen ungeordnet. Die Vorhöfe schlagen unregelmäßig und meist zu schnell, ihre Pumpfunktion wird beeinträchtigt. Blut kann sich in den Vorhöfen stauen, es können Gerinnsel entstehen, die mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen. Es droht ein Schlaganfall. Die Erkrankung bleibt häufig unbemerkt oder tritt nur anfallsweise auf, sodass sie bei Routineuntersuchungen leicht übersehen wird.
Was bedeutet telemedizinische Früherkennung?
Digitale Technologien ermöglichen heute die Erfassung des Herzrhythmus außerhalb der Arztpraxis im Alltag. Zum Einsatz kommen optische Pulsmessung (Photoplethysmographie, z. B. über Smartwatches), Smartwatches mit integriertem 1‑Kanal‑EKG, mobile EKG‑Geräte sowie eine sichere Datenübertragung zur ärztlichen Auswertung. Studien zeigen eine gute Treffergenauigkeit dieser Verfahren, also eine hohe Sensitivität und Spezifität, insbesondere bei definierten Risikogruppen.
Warum ist das frühe Erkennen von Vorhofflimmern wichtig?
Unbehandeltes Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko deutlich, im Mittel etwa um das Fünffache. Wird Vorhofflimmern erkannt, kann eine leitliniengerechte Antikoagulation (Blutverdünnung) das Risiko für Schlaganfälle und andere thromboembolische Komplikationen um etwa zwei Drittel reduzieren. Große Studien wie die eBRAVE‑AF‑Studie oder die Apple Heart Study zeigen, dass digitale Screening‑Strategien die Diagnoserate von Vorhofflimmern erhöhen und so mehr Betroffene rechtzeitig einer Behandlung zugeführt werden können.
Wie hilft die smartcor‑App bei der Früherkennung von Vorhofflimmern?
Meldet die Smartwatch bei einem EKG den Verdacht auf Vorhofflimmern, kann durch die Nutzung der smartcor-App innerhalb von zwei Werktagen Klarheit für die Nutzer*innen geschaffen werden. Die Auswertung der eingesandten EKGS erfolgt ausschließlich durch erfahrene Kardiolog*innen. smartcor-Nutzer*innen müssen keine lange Wartezeiten auf einen Termin in Kauf nehmen, sondern erhalten in der Rückmeldung durch die Kardiolog*innen individuelle Informationen zu ihrem Smartwatch-EKG über die App.
Für wen ist telemedizinisches Screening per Smartwatch sinnvoll?
Besonders profitieren Menschen ab 65 Jahren sowie Personen mit bestimmten Risikofaktoren, zum Beispiel:
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Herzinsuffizienz
- Vorangegangener Schlaganfall oder TIA („Transitorische Ischämische Attacke“, also eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns mit kurzzeitigen, schlaganfallähnlichen Ausfällen ohne bleibenden Infarkt in der Bildgebung)
Internationale Leitlinien empfehlen bei Menschen ab 65 Jahren ein opportunistisches Screening auf Vorhofflimmern, etwa durch Pulstasten oder ein kurzes EKG.
Digitale Verfahren wie Smartwatches und Apps können dieses Screening sinnvoll unterstützen, ein flächendeckendes Massenscreening der Allgemeinbevölkerung ist jedoch bislang nicht als Standard etabliert.
Grenzen der telemedizinischen Früherkennung
Nicht jede Unregelmäßigkeit im Puls oder EKG ist Vorhofflimmern. Andere Herzrhythmusstörungen oder Bewegungsartefakte können ähnliche Signale erzeugen. Falsch positive Befunde sind deshalb möglich und können zu Verunsicherung führen. Die ärztliche Einordnung bleibt entscheidend: Vorhofflimmern muss immer durch ein EKG mit ausreichender Dauer (in der Regel mindestens 30 Sekunden) bestätigt werden.
Digitale Systeme unterstützen also die Früherkennung, ersetzen aber nicht die fachärztliche Diagnostik. Deshalb setzt smartcor nicht auf KI-gestützte Auswertung, sondern auf die langjährige Expertise seines Kardiolog*innen-Teams.
Aktueller Stand der Forschung
In den letzten Jahren haben mehrere große Studien gezeigt, dass Smartphones, Smartwatches und PPG‑basierte Wearables Vorhofflimmern zuverlässig erkennen können und die Diagnoserate im Vergleich zur üblichen Versorgung erhöhen. Die Apple Heart Study und ähnliche Projekte belegen die technische Machbarkeit und eine hohe Vorhersagegenauigkeit von Algorithmen zur Erkennung von Rhythmusunregelmäßigkeiten.
Randomisierte Studien wie eBRAVE‑AF konnten zudem erstmals zeigen, dass digitales Screening die Rate neu diagnostizierter, behandlungsrelevanter Vorhofflimmern‑Fälle und eingeleiteter Antikoagulationen deutlich steigern kann. Im eBRAVE‑AF‑Trial führte die digitale Screening‑Strategie zu einer mehr als doppelt so hohen Detektionsrate (vereinfacht: die Erkennungsrate) von behandlungsrelevantem Vorhofflimmern im Vergleich zur üblichen Versorgung.
Internationale Leitlinien, zum Beispiel die ESC‑Leitlinien von 2020 sowie die deutschsprachige AWMF‑S3‑Leitlinie, erkennen digitale Verfahren inzwischen ausdrücklich als mögliche Instrumente für ein opportunistisches Screening an.
Gleichzeitig wird betont, dass die gesicherte Diagnose weiterhin auf einem dokumentierten EKG basiert und klare Versorgungswege für auffällige Befunde nötig sind.
Offene Forschungsfragen betreffen vor allem den Einfluss solcher Screening‑Programme auf harte klinische Endpunkte (z. B. Schlaganfälle und Gesamtsterblichkeit), die optimale Auswahl der Zielgruppen, den Umgang mit falsch positiven Befunden sowie Kosten‑Effektivität und die Integration digitaler Lösungen in bestehende Gesundheitssysteme.
FAQ: Telemedizinische Früherkennung von Vorhofflimmern
Was ist Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die Vorhöfe unregelmäßig und oft zu schnell schlagen. Dadurch steigt das Risiko für Schlaganfälle und andere Embolien.
Wie erkennen Smartwatches Vorhofflimmern?
Smartwatches erkennen Vorhofflimmern über optische Pulsmessung (Photoplethysmographie) oder über integrierte EKG‑Funktionen, mit denen kurze EKG‑Aufzeichnungen erstellt werden können.
Kann eine App Vorhofflimmern diagnostizieren?
Nein. Eine App kann Auffälligkeiten im Herzrhythmus erfassen und auf ein mögliches Vorhofflimmern hinweisen, die Diagnose muss aber immer ärztlich anhand eines EKGs gestellt werden.
Wie zuverlässig ist digitales Screening?
Studien zeigen eine gute Zuverlässigkeit mit hoher Sensitivität und Spezifität, insbesondere bei Risikogruppen. Dennoch können sowohl falsch positive als auch falsch negative Ergebnisse auftreten.
Kann Früherkennung Schlaganfälle verhindern?
Ja. Wird Vorhofflimmern frühzeitig entdeckt und konsequent behandelt, lässt sich das Schlaganfallrisiko deutlich senken. Insbesondere durch eine geeignete Antikoagulation, d.h.: medizinische Hemmung der Blutgerinnung durch spezielle Medikamente (Antikoagulanzien), um die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) zu verhindern oder bestehende zu behandeln.
Wie hilft die smartcor-App bei Verdacht auf Vorhofflimmern?
Nutzer*innen erhalten innerhalb von zwei Werktagen von erfahrenen Kardiolog*innen individuelle Informationen zu ihrem eingesandten EKG. Insbesondere, wenn die Smartwatch Vorhofflimmern gemeldet hat, ist diese kurze Zeitspanne ein signifikanter Zugewinn für die Nutzer*innen. Denn die kardiologische Auswertung kommt über die smartcor-App zu ihnen auf ihr Handy. Sie müssen sich nicht um einen Termin bei einer Kardiologin oder einem Kardiologen bemühen, der häufig mit sehr langen Wartezeiten und Phasen der Unsicherheit verbunden ist.
Die smartcor-App ergänzt darüber hinaus die ärztliche Betreuung vor Ort durch strukturierte Datenerhebung, Verlaufsdokumentation und sichere Übertragung.
Transparenzhinweis
Infografik erstellt mit NotebookLM.
Quellen
Sämtliche Links zuletzt aufgerufen am 30.03.2026.
AWMF. (2024). S3-Leitlinie Vorhofflimmern.
Bauer, A., et al. (2022). Smartphone-based screening for atrial fibrillation: eBRAVE-AF.
Charité – Universitätsmedizin Berlin. (2026). Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern.
Crawford, T. C. (2020). 2020 ESC Guidelines for Atrial Fibrillation: Key Points. *American College of Cardiology*.
Deutsche Herzstiftung. (2021). Vorhofflimmern kann Schlaganfall auslösen.
Deutsches Zentrum für Herz‑Kreislauf‑Forschung. (2019). Volkskrankheit Vorhofflimmern: Expertengruppe veröffentlicht Empfehlungen zum Screening.
Hindricks, G., et al. (2021). 2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS. *Europace*, 23(10), 1612.
Kirchhof, P., et al. (2020). 2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation. *European Heart Journal*, 42(5), 373–498.
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Perez, M. V., et al. (2019). Large-Scale Assessment of a Smartwatch to Identify Atrial Fibrillation. *New England Journal of Medicine*, 381, 1909–1917.
Stanford Medicine. (2019). Through Apple Heart Study, Stanford Medicine researchers show wearable technology can help detect atrial fibrillation.
Svennberg, E., et al. (2022). Digital screening for atrial fibrillation ready for prime time? Lessons learned from eBRAVE-AF. *European Heart Journal – Digital Health*, Artikel-Nr. PMC9798038.
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